verboten, verfolgt

konzert 2016

HANNS EISLER (1898-1962)

Sonntag, 6. November 2016
11.00 Uhr
Musikschule Wels - Concerto

Vierzehn Arten, den Regen zu beschreiben, op. 70 (1941)

mit der Premiere eines Films von Ulli Stelzer

Norbert Trawöger Flöte, Moderation
Judith Aigner Klarinette
Alexander Nantschev Violine
Gonzalo Lopez-Ciruelos Viola
Edda Breit Violoncello
Dino Sequi Klavier

Unerhörte Kompositionen in Wels

oönachrichten
OÖNachrichten 18.05.2012

bird of the night
Vally Weigl

Norbert Trawöger - Flöte

vally weigl by traweeg

fotos

Verboten, Verfolgt - Konzert 2012

komponistInnen
der letzten zehn Jahre "Verboten, verfolgt"

Ruth Schonthal, Paul Hindemith, Leo Smit, Erwin Schulhoff, Sigfrid Karg-Elert, Eric Zeisl, Vally & Karl Weigl, Victor Urbancic ....

verboten, verfolgt 2014

szymon laks
(*1901 in Warschau; †1983 in Paris)
war ein polnisch-französischer Komponist und Überlebender des KZ Auschwitz. Er überlebte das Lager als Mitglied, später Arrangeur und Leiter des Lagerorchesters.


Fluchtpunkt
Im Rahmen des Konzerts findet im Foyer eine Präsentation von textilen Bildern der polnischen Künstlerin Ludwika Zydtkiewicz in einer Installation von Walter Gschwandtner und
Elke Sackel statt.

unerhört!
Gedanken zur Welser Konzertreihe "Verboten, verfolgt"

"Die Auseinandersetzung mit verbotenen, verfolgten, vertriebenen Komponisten, Musikern und derem Werk entspringt einer mir ureigenen Neugierde nach unbekannten, ungespielten und unerhörten Klang- und Lebenswelten, die mit einem starken Bedürfnis gepaart ist, an die unsäglichen und unsagbaren Menschenschicksale und Folgen des Dritten Reichs zu erinnern. – Nicht nur der Erinnerung und der Neugierde wegen, sondern als Aufforderung, wach, bewusst, lebendig und vor allem Mensch zu bleiben!" (2008)

Um den Jahrtausendwechsel wurde vom damaligen Direktor Peter Schneeberger in der Musikschule Wels eine Konzertreihe initiiert, die Musik von verbotenen, verfolgten, vertriebenen KomponistInnen und deren oft unsagbaren Lebenswegen vorstellt. Seit dem Jahr 2002 kuratiere ich das einmal im Jahr stattfindende Konzert, bei dem vor allem LehrerInnen unserer Schule musizieren. Bisheriger Höhepunkt war sicher der Besuch vom Ehepaar Barbara Zeisl und Ronald Schoenberg – beide Kinder "emigrierter" österreichischer Komponisten (Eric Zeisl und Arnold Schönberg) – die zu uns aus Los Angeles gekommen sind. Nicht nur in diesem Konzert sind erstmals Kompositionen erklungen, die nie zuvor im Geburtsland ihrer Schöpfer zu hören waren. Jedes Jahr ist es für mich von neuem eine spannende Herausforderung, mich mit den Schicksalen von vertriebenen, verfemten, verfolgten und zu oft auch ermordeten Klangschöpfern und deren Musik auseinanderzusetzen. Diese Beschäftigung raubt mir mitunter den Schlaf, so unfassbar sind die Wege, die so viele Menschen einschlagen mussten. Und auch so beeindruckend. Ich denke nur an die in Wien geborene Vally Weigl (1894-1992), die Schwester der sozialistischen Widerstandskämpferin Käthe Leichter, die mit ihrem Mann Karl Weigl in die USA fliehen konnte, dort mit knapp sechzig Jahren eine "neue" Karriere als pionierhafte Musiktherapeutin startete und hinreißende Kompositionen hinterließ. Oder die Hamburgerin Ruth Schonthal, die über Schweden, Russland, Japan in Mexiko landete, wo sie einem anderen "Verbotenen", Paul Hindemith, begegnete. In der Folge bei ihm an der Yale University studierte und später selbst eine bedeutende Kompositionslehrerin wurde. Oder der eben schon genannte Eric Zeisl, der bei der Einreise in New York nicht nur die "H"eimat sondern auch das "h" am Ende seines Vornamens verlor. Ich wusste bis dahin nicht, dass Zeisl nach Franz Schubert der umfassendste Liederkomponist Wiener Herkunft ist. Was für unglaubliche Musik! Oder der Prager Komponist Erwin Schulhoff, der Amsterdamer Leo Smit, die in Lagern umkamen oder der Deutsche Sigfrid Karg Elert, der schon vor Beginn des Drtten Reichs verfolgt wurde und 1933 dieser "Kränkung" erlegen ist. Die Musik all jener und noch einiger anderer war in den letzten Jahren in Wels zu hören. Wir wollen sie weiterhören lassen.

Ganz treu dem 2001 formulierten Grundgedanken:
Die Aufführung von im Dritten Reich verbotener Musik soll natürlich an die Geschehnisse dieser Zeit erinnern, vor allem aber auch viel Unerhörtes, selten Gehörtes zu Gehör bringen. Es soll aber keine Gewissensberuhigung, Alibihandlung oder vordergründige Demonstration von Toleranz sein. Gedenken kann sich meiner Meinung nach nur in die Gegenwart orientieren. Es bedeutet für mich, aus tiefem Bewusstsein der Vergangenheit, des Geschehenen, eine Wachheit für die Gegenwart zu entwickeln. Eine Wachheit nicht nur für die politischen und gesellschaftlichen Tendenzen, die einen manchmal an Vergangenes denken lassen – vor allem an die Intoleranz, gegen wen oder was auch immer, die wir alle in uns tragen. Gedenken leitet sich von "Denken" ab. Dieses Konzert möchte ein kleiner Impuls zu wachem, gegenwärtigem Denken und Fühlen sein.
NORBERT TRAWÖGER

verboten, verfolgt 2014

ursula mamlok
(*1923 Berlin)

Ursula Mamlok wurde 1923 in Berlin geboren. Aufgrund ihrer jüdischen Abstammung von den Nationalsozialisten verfolgt, verließ Ursula Mamlok gemeinsam mit ihren Eltern Berlin und wanderte 1939 nach Ecuador aus. Noch im gleichen Jahr gelang es ihr, ein Stipendium für die Mannes School of Music in New York zu bekommen. Sie studierte in den folgenden Jahren Komposition. Charakteristisch für ihre Werke sind komplexe, oft gegeneinander gesetzte Rhythmen. Ihr Werkverzeichnis umfasst ca. 75 Werke, sowohl Solostücke und Kompositionen für die verschiedensten Kammermusikbesetzungen als auch Werke für Orchester. Seit 2006 lebt Ursula Mamlok wieder in ihrer Geburtsstadt Berlin.

verboten, verfolgt 2013

olivier messiaen
(*1908, +1992)

Quartett für das Ende der Zeit

Am Programm des heurigen "Verboten, Verfolgt" - Konzerts steht ein apokalyptisches Kammermusikwerk, das "Quatuor pour la fin du temps"von Olivier Messiaen (1908-1992).

Messiaen vollendete das "Quartett für das Ende der Zeit" während seiner Internierung im Kriegsgefangenenlager in Görlitz in den Jahren 1940/41 und verarbeitete darin seine Erfahrungen. "Als ich Kriegsgefangener war", erinnerte sich Messiaen später, "hatte ich wegen des Hungers bunte zwanghafte Träume: Ich sah Farbvisionen, den Regenbogen des Engels und seltsam kreisende Farben". Die Lagerkommandanten hatten Messiaen ermöglicht zu komponieren, ihm wurde auch ein Klavier zur Verfügung gestellt; in den Waschräumen wurde geprobt. Die Uraufführung des kompletten Werkes fand im Lager in Görlitz am 15. Januar 1941 vor ca. 400 Kriegsgefangenen statt, der Komponist selbst übernahm den Klavierpart.

verboten, verfolgt 2012

vally weigl
(*1894 Wien, +1982 New York)

Komponistin, Pianistin, Musiktherapeutin, Pädagogin und Übersetzerin, entstammte einer assimilierten jüdischen Wiener Bürgerfamilie. Ihre Schwester war die sozialistische Widerstandskämpferin Käthe Leichter, die 1942 in der NS-Tötungsanstalt Bernburg ermordet wurde. 1921 heiratete Vally ihren ehemaligen Lehrer Karl Weigl, wirkte als Musiklehrerin und Pianistin und trat insbesondere mit ihrem Mann im Klavierduo auf.

Vally Weigl war aufgrund der NS-"Rassengesetze" verfolgt, wobei sie im US-amerikanischen Exil ihre jüdische Herkunft nicht erwähnte und sich selbst als politisch verfolgt bezeichnete. Mit Hilfe der Quäker gelangten die Weigls nach dem "Anschluss" Österreichs im Oktober 1938 über die Schweiz und Großbritannien nach New York.

Im Exil begann Vally Weigl ihr kompositorisches Schaffen zu intensivieren und legte im Laufe der Jahre ein umfangreiches Werk mit Klavier-, Kammermusik- und Vokalkompositionen vor; ein Teil ihrer Kompositionen erschien im Druck. Mit fast sechzig Jahren wandte sie sich 1953, nach dem Abschluss ihrer Studien, einer musiktherapeutischen Berufstätigkeit in Krankenhäusern, Forschungseinrichtungen und Colleges zu. Vally Weigl blieb bis ins hohe Alter aktiv. Auch aus ihren letzten Lebensjahren sind noch Kompositionen überliefert, obwohl sie zu diesem Zeitpunkt ihr Gehör schon fast vollständig verloren hatte.

eNTe : heimat